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Die "KRR"-FAQ


Frage:

Ich habe gelesen, daß ein neuer Krieg immer wahrscheinlicher werde, wenn die Bundesregierung die Regierungsgewalt nicht auf den "Reichskanzler des Deutschen Reiches" übertrage. Da nach HLKO ein Staat lediglich 60 Jahre ohne Friedensvertrag besetzt werden dürfe, müßten die Alliierten nach Ablauf der 60 Jahre einen neuen Krieg beginnen. Ist das wahr?



Antwort:

Man ist fast geneigt, mit einem "natürlich nicht" zu antworten.

Es ist einmal wieder eine typische "KRR"-Aussage, in erster Linie der von Ebel, in deren "Rechtsgrundlagen" sie sich sogar befindet.

Werfen wir gemeinsam einen Blick in die Haager Landkriegsordnung (= HLKO). Als Haager Landkriegsordnung wird die Anlage zum II. Haager Abkommen von 1899 sowie zum IV. Haager Abkommen von 1907 „betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs” bezeichnet, das 1899 und 1907 jeweils während der Haager Friedenskonferenzen unterzeichnet wurde. Sie ist das wichtigste der im Rahmen dieser Konferenzen entstandenen Haager Abkommen (-> Wikipedia). Hier gibt es das "Abkommen betreffend die Gesetze und Gebräuche des Landkriegs" im Volltext, dort die Anlage zum Abkommen, die "Ordnung der Gesetze und Gebräuche des Landkriegs".

An keiner einzigen Stelle ist dort die Rede von einer 60-Jahres-Frist.

Nun wird von vereinzelten "Reichsideologen" in Internetforum auf den Art. 36 der HLKO verwiesen. Darin heißt es:

"Art. 36 [Folgen des Waffenstillstandes; Aufnahme der Kampfhandlungen] Der Waffenstillstand unterbricht die Kriegsunternehmungen kraft eines wechselseitigen Übereinkommens der Kriegsparteien. Ist eine bestimmte Dauer nicht vereinbart worden, so können die Kriegsparteien jederzeit die Feindseligkeiten wieder aufnehmen, doch nur unter der Voraussetzung, daß der Feind, gemäß den Bedingungen des Waffenstillstandes, rechtzeitig benachrichtigt wird."

Besonderer Wert wird dabei auf die Formulierung: "ist eine bestimmte Dauer nicht vereinbart worden" gelegt, also eine Dauer des Waffenstillstands. Das Wort "Friedensvertrag" ist dort nicht erwähnt, ebensowenig eine Frist von 60 Jahren. Und zudem steht dort das Wörtchen "können" und nicht "müssen". Darüber hinaus ist die HLKO ohnehin nicht anwendbar. Denn wie gezeigt, ist spätestens seit 1990 das vereinte Deutschland ein souveräner Staat, die Alliierten haben auf ihre Rechte verzichtet. Der abgeschlossene 2+4-Vertrag macht nach einhelliger Ansicht sogar einen Friedensvertrag überflüssig.

Schon daher ist also diese Behauptung der "KRRs" einmal mehr ins Reich der Fabeln zu verweisen.

Bemerkenswert ist übrigens, wie trotz der Tatsache, daß die HLKO keine 60-Jahres-Frist nennt, diese hergeleitet wird. Mit diesem Hinweis konfrontiert, antwortet ein "Reichsideologe":

"Dort steht zwar nicht von den berüchtigten 60 Jahren, aber sie könnten ja woanders festgehalten sein ?!"

Das klingt verdächtig nach Dr. Haug und seiner Theorie der "Vereinigungsmenge" (siehe hier). Und tatsächlich, wenig später schreibt dieser "Reichsideologe":

"Noch vor der Einführung des Grundgesetzes, wurde auf Anordnung der USA die Bank Deutscher (Reichs-) Länder gegründet. Hier wurde bestimmt, dass Zahlungsmittel in Deutschland für zunächst 60 Jahre die DM oder der US - Dollar sein soll.

Beweis : Gesetzblatt Nr. 61 der Militärregierung - Deutschland, Amerikanisches Kontrollrecht vom 20.06.1948 und Gesetz Nr. 53 ( Neufassung ) der Militärregierung - Deutschland"

Also, die Höchstdauer des Waffenstillstands ergibt sich aus HLKO in Verbindung mit Bestimmungen zur Bank Deutscher (Reichs-)Länder?

Aber gut, lassen wir uns auf dieses Spielchen ein: angenommen, die beschränkte Geltungsdauer der DM sei der HLKO geschuldet, da nach Ablauf der 60 Jahre mit dem Zahlungsmittel DM ein neuer Krieg beginnen müsse...

Sie bemerken es bereits? Genau. Für die Dauer einer Besatzungszeit kann die Frage der Verwendung der DM überhaupt keine Bedeutung haben, denn die Besatzungszeit begann 1945 und eben nicht 1948, zum Zeitpunkt der Einführung der DM.

Mithin ist der anfänglich festgelegte Zeitraum für die DM als Zahlungsmittel völlig ungeeignet, eine 60-Jahres-Frist für die Höchstdauer der Besatzungszeit herzuleiten.

Im übrigen wurde am 4. Januar 1999 der Euro als "Buchgeld" eingeführt, am 1.1.2002 als Bargeld, deutlich vor Ablauf der angeblichen 60-Jahres-Frist. Spätestens hier hätten die Alliierten also einschreiten müssen. Das brauchten sie jedoch nicht: Deutschland war zu diesem Zeitpunkt bereits längst souverän.

Gänzlich peinlich wird es für den besagten "Reichsideologen" schließlich, wenn er in einem anderen Forum vermutet:

"Nur, weil im Moment uns kein Dokument bekannt ist, welches die 60 Jahre explizit erwähnt, würde ich es nicht von vornherein gänzlich ausschliessen."

Dies ist das übliche Spiel der Verschwörungstheoretiker: sie behaupten, da gäbe es (vielleicht) ganz geheime Dokumente, die irgendetwas regeln (z.B. die "Kanzlerakte") - und wer die Existenz solcher Dokumente anzweifelt, möge doch bitte den Beweis antreten, daß es sie tatsächlich nicht gibt. Eine ganz perfide Beweislastumkehr, in Verschwörungskreisen immer wieder praktiziert.

Dieses Vorgehen der "KRRler" zur Begründung einer 60-Jahres-Frist ist mithin komplett lächerlich. Mit genau der gleichen Berechtigung könnte man sich irgendeine andere Frist aus alten Militärgesetzen heraussuchen. Warum nicht die 21-Tage-Frist aus der BK/O (51) 56 (siehe auch hier)? Die "KRRs" picken sich aus jedem möglichen und unmöglichen Gesetz das heraus, was sie brauchen können und mixen sich daraus dann ihre völlig haltlosen Thesen. Dies zeigt dieses Beispiel und sogar noch mehr. Nämlich, daß die "KRRler" manchmal noch nicht einmal existente Verordnungen, Gesetze etc. für ihr Spiel benötigen. Ihnen reicht es, die Vermutung aufzustellen, eine von ihnen getätigte Behauptung könnte eventuell in "geheimen Dokumenten" versteckt sein, deren Existenz sie - ohne jeglichen Anhaltspunkt - ebenfalls nur vermuten. Kurz: ein komplettes Phantasiegebilde. Das ist bar jeder Seriosität, aber eben typisch "KRR".

Um ein wenig vom Thema abzuschweifen:

Zur Euro-Einführung gibt es übrigens noch dieses nette Statement des damaligen "Pressesprechers" Bradler, der im Mai 2001 seine "Reichsbürger" über den wahren Plan der USA aufklärte:

"bei uns besteht weiterhin Interesse, die Euro-Einführung zu verhindern. Verständlicherweise möchten wir die Auflösung der lediglich noch de facto existenten 'BRD' damit verbinden. Unserer Ansicht nach ist die Mehrheit des Volkes zu einer solchen Maßnahme im Moment noch nicht bereit, da es großen Teilen anscheinend noch viel zu gut geht. Ein notwendiges Potential ist somit im Moment noch nicht erkennbar. Nach der Einführung des EURO und der von den Amerikanern geplanten Aufweichung des Kurses zum Dollar (siehe diesbezügliche Äußerungen Alan Greenspans vor wenigen Wochen) wird es zu derartigen Kurseinbrüchen führen, die im gesamten EURO-Gebiet, besonders in Deutschland, zu dramatischen Verteuerungen führen werden. Nach vorsichtigen Schätzungen soll sich dann die Inflationsrate auf mind. 10-15% belaufen. Es ist einsichtig, daß damit ein Klima geschaffen wird, das die schnelle und gewaltfreie Auflösung der "BRD" forciert und uns sehr zu passe kommt."

(http://f24.parsimony.net/forum61765/messages/3091.htm; Backup)

Diesen Äußerungen war also zu entnehmen, daß es anscheinend ein Plan der USA sei, das EURO-Gebiet wirtschaftlich zu schwächen - und dann letztlich die Auflösung der "Bundesrepublik" zu erreichen.

Es mag sicher Menschen geben, welche diese absurde Behauptung glauben. Einen Beleg, daß der damalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, tatsächlich von der geplanten "Aufweichung" des EURO durch die USA sprach, ist Bradler bis heute jedoch schuldig geblieben. Greenspan äußerte im Jahre 1997 (also zwei Jahre vor der EURO-Einführung - und nicht "vor wenigen Wochen" von Mai 2001 aus gesehen) laut "Washington Post" lediglich seine Ansicht, "der EURO wird kommen, aber er wird keinen Bestand haben". Inzwischen hat er seine Ansicht revidiert und geht davon aus, daß es kaum einen Zweifel daran gebe, daß der EURO eine solide Währung sei.

Sollte Herr Greenspan jedoch tatsächlich gesagt haben, die USA planen gezielt, den EURO aufzuweichen, stellt sich die Frage, ob man wirklich froh darüber sein sollte, daß es in der Hand der USA liegt, wann das "Deutsche Reich" proklamiert wird. Denn die USA planen laut Bradler, Deutschland zuvor wirtschaftlich total zugrunde zu richten. Ich denke nicht, daß sich dies mit der Haager Landkriegsordnung deckt, auf die sich die "KRR" so gerne beruft.

Bradler schloß seinen Beitrag übrigens mit der Bemerkung:

"In diesem Moment ist der Zeitpunkt für die Endlösung der BRD-Frage gekommen."

Seine Wortwahl muß an dieser Stelle sicher nicht kommentiert werden.

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Das Wesentliche:

Diese Aussage ist unwahr. In der HLKO ist keine 60-Jahres-Frist genannt, insbesondere nicht in Art. 36. Es bliebe also zur Begründung lediglich wieder das Spiel der "Vereinigungsmenge", wie es Dr. Haug bereits so herrlich absurd bei der Frage der BK/O aufgeführt hat.

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Letzte Änderung: 16.06.2007.

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