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Die "KRR"-FAQ


Frage:

Die "KRRler" behaupten, die Staatsangehörigkeit eines Deutschen müßte korrekt mit "Deutsches Reich" bezeichnet werden, nicht mit "deutsch", da es einen "Staat deutsch" nicht gebe. Das ist doch Unsinn, oder?



Antwort:

Für einen normaldenkenden Menschen ist dies in der Tat Unsinn. Die "KRRler" nehmen es jedoch absolut ernst, ebenso wie das Zählen der Schwingen des Staatswappens (siehe hier).

Diese Behauptung ist übrigens keine Erfindung der "KRRler". Der von ihnen so hochgeschätzte Prof. Dr. Bracht hat bereits in einem Artikel im Jahre 1986 die Bezeichnung "deutsch" im Reisepaß kritisiert, weil wir schließlich alle "Bürger des Deutschen Reiches" seien.

Werfen wir einen Blick auf diese Internetseite. Dort findet sich eine 100 kb große PDF-Datei, die eine Liste mit amtlichen Staatennamen enthält - und zu jedem Land das zugehörige Adjektiv. Dieses ist im Falle Deutschlands eben "deutsch" (so wie es bei Australien "australisch" ist, bei Belgien "belgisch", bei Griechenland "griechisch" usw.).

Die "KRRler", insbesondere Uwe Bradler, wagen sich zur Begründung ihrer haarsträubenden Theorie ziemlich weit vor. So schrieb Bradler im inzwischen geschlossenen Jo-Conrad-Forum (Screenshot):

"Die Frage: "Wie ist Ihre Staatsangehörigkeit" verlangt schon der Begrifflichkeit nach nach der Nenneung des Staates, dem man angehört. Staaten werden immer mit Substantiven bezeichnet."

Dies ist so nicht richtig.
Die Frage "Wie ist Ihre Staatsangehörigkeit" (so sie denn in dieser Art wirklich gestellt würde) müßte mit "deutsch" beantwortet werden, weil dies ein "Wie-Wort", ein Adjektiv, ist.

Eric Schilling schrieb zu diesem Thema im FAQ-Forum etwas "fachmännischer":

"Richtig ist natürlich, daß Fragen mit dem Fragewort "wie" (oder auch mit Rogativpronomina) mit einem Adjektiv oder einem adjektivischen Konstrukt beantwortet werden, nicht jedoch mit einem Substantiv oder substantivischen Konstrukt. Letzteres dient als Antwort auf Fragen, die explizit ein solches Satzelement erfragen.

Wie ist Deine Staatsangehörigkeit? - Deutsch.
Welche Staatsangehörigkeit hast Du? - Die deutsche.
Nenne Deine Staatsangehörigkeit! - Deutsch.
-aber-
Welchem Staat gehörst Du an? - KRR. *g*
"

In der FAQ-Mailingliste ergänzte er:

"Vielleicht kann man mit folgendem Dialogbeispiel die Sache noch sehr
vereinfacht darstellen:

F: Welche Staatsangehörigkeit hast Du?
A: Die deutsche.
F: Welche ist das?
A: Die deutsche Staatsangehörigkeit ist jene, die im StAG geregelt
   ist.

Dort findet man dann auch die passenden Definitionen, wer Deutscher ist.
Nämlich Bürger der Bundesrepublik Deutschland, Bürger des deutschen Staates.

Das Adjektiv "deutsch" spezifiziert die Staatsangehörigkeit, nicht den
Staat. Der Name des Staates ergibt sich gewissermaßen aus der Auswertung
der spezifizierten Staatsangehörigkeit.

Staatsangehörigkeit (Adjektiv) - Name des Staates (Substantiv)"

Die "KRRler" machen sich außerdem die Mühe, auf unzählige (teils historische) Ausweise verschiedener Länder zu verweisen. Bradler selbst zog in einem weiteren Forenbeitrag im Conrad-Forum den Personalausweis Belgiens als Beispiel dafür heran, daß auch dort ein Substantiv zu finden sei (Screenshot). Das Dumme ist nur, daß dort leider das Wörtchen "Belge" steht - doch das ist ein Adjektiv und heißt übersetzt "belgisch". Noch deutlicher betonte er seinen Fehler am 31.05.2004 in seinem eigenen Forum: "Staatsangehörigkeit: Belge (Belgien)". (Screenshot).

Letztlich läßt sich diese Verwirrung ganz einfach dadurch aufklären, daß man die beiden Wörter "Staatsangehörigkeit" und "deutsch" konkret in Frage und Antwort einbettet.
Die Frage lautet: "Wie ist Ihre Staatsangehörigkeit?" Die Antwort darauf lautet: "deutsch".

Oder anders: "Welchem Staat gehören Sie an?"
"Dem deutschen."

Ebenfalls weit verbreitet ist in diesem Zusammenhang übrigens folgendes "Argument": man müsse zwischen Staatsangehörigkeit und Nationalität streng unterscheiden. Die Frage nach der Staatsangehörigkeit müsse immer mit dem Namen des Staates beantwortet werden, die Frage nach der Nationalität immer mit einem Adjektiv. Doch auch dies ist falsch. In vielen Ländern werden die Begriffe Staatsangehörigkeit und Nationalität nämlich synomym benutzt. So heißt es beispielsweise auf den Internetseiten des UN-Flüchtlingskommissariat (UNHCR):

"'Nationalität', 'Staatsbürgerschaft' und 'Staatsangehörigkeit' bezeichnen in der Regel den rechtlichen Bund zwischen einem Staat und dessen Gesetzen und einer Einzelperson. (...) Manche Staaten nutzen den Begriff Nationalität, andere Staatsbürgerschaft bzw. Staatsangehörigkeit um die Rechtsbeziehung zwischen Bürger und Staat zu benennen."

Die Unterscheidung der Begriffe Staatsangehörigkeit und Nationalität ist somit nicht mehr als eine Wortklauberei.

Letztlich läßt sich mit diesem Punkt sehr anschaulich belegen, daß die "Reichsideologen" die Diskussion um "Deutsches Reich" und "Bundesrepublik Deutschland" nicht verstanden haben. Wie bei diesem Punkt der FAQ ausführlich dargelegt, sind beides lediglich unterschiedliche Namen für ein und dasselbe Gebilde: den deutschen Staat. Aus diesem Grund liegt es nahe, von der deutschen Staatsangehörigkeit zu sprechen, nicht von der "bundesrepublikanischen" oder "deutschesreichischen".

Natürlich gibt es mithin keinen "Staat deutsch", das behauptet auch niemand, der sagt: "Ich habe die deutsche Staatsangehörigkeit". Aber es gibt den deutschen Staat, der Bundesrepublik Deutschland heißt.

Zum "Kronzeugen" für eine Staatsangehörigkeit "Deutsches Reich" wurde von den Reichsideologen schließlich das Landgericht Koblenz erkoren. Vor diesem war nämlich Mitte 2008 ein Strafverfahren gegen den "Reichsideologen" Karl-Wilhelm "Kawi" Schneider wegen des Verdachts der "Volksverhetzung u.a." anhängig (2010 Js 10101/04 - 13 Ns). Am 16.06.2008 erging ein Urteil, dessen genauer Inhalt hier leider nicht bekannt ist. Jedoch kursierte eine Kopie des Rubrums auf einschlägigen Internetseiten. Dort hieß es nämlich zur Staatsangehörigkeit Schneiders: "Staatsbürger des deutschen Reiches" (Screenshot). Während die "Reichsideologen" dies als Anerkennung des Deutschen Reiches durch das Landgericht Koblenz sahen, fragte die "KRR"-FAQ bei der Justizmedienstelle des Landgerichts nach. Von dort hieß es in der Antwort vom 04.02.2009 (140 E 1 – 3/09), daß der Inhalt des Rubrums erst aufgrund dieser Anfrage aufgefallen sei. Der Vorsitzende Richter der zuständigen 13. Strafkammer des Landgerichts habe mitgeteilt, "er habe bei der Fertigung und Unterzeichnung des (68-seitigen) Urteils die Formulierung hinsichtlich der Angabe der Staatsbürgerschaft nicht bemerkt". Er bedaure dieses Versehen und beabsichtige "die nach seiner Auffassung unrichtige Urteilsurkunde in diesem Punkt zu berichtigen". Weiter heißt es, daß das Urteil "unter keinem denkbaren Gesichtspunkt eine 'anerkennende' Wirkung hinsichtlich des staatsbürgerlichen Status des Angeklagten" des Angeklagten habe.

Siehe zum Thema Staatsangehörigkeit auch hier.

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Das Wesentliche:

Letztlich läßt sich die Verwirrung ganz einfach dadurch aufklären, daß man die beiden Wörter "Staatsangehörigkeit" und "deutsch" konkret in Frage und Antwort einbettet. Die Frage lautet: "Wie ist Ihre Staatsangehörigkeit?" Die Antwort darauf lautet: "deutsch".

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Letzte Änderung: 07.04.2009.

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