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7.7.05: Verhandlung gegen Uwe B. - Fortsetzung folgt

 
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Harry Hirsch



Anmeldungsdatum: 24.02.2004
Beiträge: 11
Wohnort: Der Gerichtssaal

BeitragVerfasst am: 08.07.2005, 16:18    Titel: 7.7.05: Verhandlung gegen Uwe B. - Fortsetzung folgt Antworten mit Zitat

Harry Hirsch übermittelte den nachfolgenden Bericht über die gestrige Verhandlung gegen Uwe B. aus M. an der E. in Magdeburg soeben von den Seychellen.

Zitat:


Verhandlung gegen Uwe B.: Fortsetzung folgt.

Die Strafverhandlung gegen Uwe B. am 7. Juli 2005 wurde unterbrochen. Der Richterin fehlten wesentliche Akten und dem Angeklagten die Einsicht... in die Verfahrensakten.

Ein Bericht von Harry Hirsch

Hier ist Harry Hirsch, der rasende Reporter. Nachfolgend mein Bericht aus dem Justizpalast zu Magdeburg.

Am 7. Juli 2005 um 11:30 Uhr stand einmal mehr eine Strafverhandlung gegen den Angeklagten Uwe B. aus M. an der E. auf dem Spielplan. Regie führte Frau Richterin am Amtsgericht Nolte.

Es kündigte sich eine größere Sache an, denn ein Blick auf den Terminszettel belegte: heute sollten 2 Strafverfahren gegen Uwe verhandelt werden. Insgesamt 8 Zeugen waren geladen, davon 7 mit so kryptischen Vornamen wie „PK“ oder „KK“. Wie sich später herausstellte, waren dies keine kurdischen Terroristen, sondern anständige deutsche Polizisten.

Der Angeklagte Uwe B. erschien wie gewohnt mit ungesund blasser Hautfarbe, was die Richterin zu Beginn der Verhandlung zu der besorgten Feststellung veranlasste:

„Sie sind sehr blass, Herr B. Wenn es Ihnen nicht gut geht, können wir auch eine Pause einlegen.“

Doch Uwe ging es selbstverständlich so gut wie es einem aufrechten Doitschen vor Gericht nur gehen kann. Er fühlte sich offensichtlich ganz in seinem Element, wie ein Fisch im Wasser oder wie Nobbi in der Mikrowelle. „Akteneinsicht“ war sein liebstes Wort. Ein Wort, das später noch Bedeutung bekommen sollte. Mindestens ebenso wichtig sollte allerdings das Wort „Doppelverfolgung“ werden, was in diesem Fall nicht aus dem Radsport kommt.

Zunächst wurden die Personalien des Uwe B. aus M. festgestellt. Nanu? Kein Antrag auf Ablehnung der Richterin wegen Befangenheit? Drei Berufe hat der Mann. Ein Multitalent. Kann das z.B. der angeblich unrechtmäßig amtierende Bundeskanzler Schröder auch von sich behaupten? Maschinenbauer, Elektroniker und Elektroinstallateur.

Interessant wurde es bei der Frage nach Uwes Einkommen. Zur Zeit ist er nämlich arbeitslos. Eigentlich bereits seit 2000. Wovon er lebt? Arbeitslosengeld II. Toll, dass das „Deutsche Reich“ für seine Bürger auch solche Sozialleistungen bereit hält. Oder kassiert Uwe das Geld etwa von der nicht-existierenden Bundesrepublik und dazu noch als Falschgeld, nämlich als EURO, anstatt „Reichsmark“?

Uwes Mami kam übrigens etwas verspätet zu dem Termin. Doch immer noch rechtzeitig, um zu erfahren, was der pöse, pöse Staatsanwalt ihrem Kleinen so alles vorwirft.

Das war nicht ohne. Oder eigentlich war es völlig ohne. Oben und unten. Der Uwe soll Kinderpornos besessen haben. So um die 64 Bilder und 2 Videos. Ja, tut denn das ein aufrechter doitscher Biedermann?
Bleiben wir bei der Sache, denn es ging noch weiter. Der Staatsanwalt warf Uwe nämlich noch Volksverhetzung vor. Irgendwie hatte Uwe in seinem Forum einen Beitrag vom Gedanken-Friedhof eines Herrn Meyer falsch wiedergegeben. Uwe hatte behauptet, Meyer habe die Zahl der Holocaustopfer insgesamt auf eine halbe Million reduziert. Tatsächlich hat Meyer aber „bloß“ die Zahl der Auschwitzopfer auf eine halbe Million herunterfantasiert.

Auf die Frage der Richterin, ob Uwe etwas zu den Vorwürfen sagen wolle, kam der Hinweis, dass wegen der Kinderpornografie doch schon mal ein Verfahren gegen ihn gelaufen sei. Hier sei er letztlich sogar auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Landgericht freigesprochen worden.
Die entsprechende Akte fehlte der Richterin, was schlecht war. Denn offensichtlich war die Akte wichtig, um festzustellen, ob eine Doppelverfolgung vorliegt. Doppelt gemoppelt hält zwar in der Regel besser. Und sicher würde es dem Uwe nicht schaden, vor Gericht mal doppelt einen auf den Deckel zu bekommen. Doch im Strafverfahren kann man jemanden nicht zwei Mal für ein und dieselbe Tat belangen wollen.
Die Richterin rekapitulierte:

Berufungsurteil vom Landgericht Magdeburg vom 7.3.2005. Die Staatsanwaltschaft hatte Berufung gegen ein Urteil des Amtsgerichts Magdeburg eingelegt und die Anklageschrift neu gefasst. Ursprünglich war es um Kinderpornos und Beleidigung gegangen. Schließlich kam der Missbrauch von Amtsbezeichnungen und Beleidigung vor. Uwe B. wurde zu einer Geldstrafe und zum Tragen der Verfahrenskosten verurteilt. Aber eben nicht wegen Kinderpornos.

Da steige mal einer durch!
Wenn also einmal Freispruch, warum dann nun schon wieder eine Anklage? Uwes Frage erscheint nur zu verständlich.

Uwe erhob die üblichen Verfahrensrügen. So sei seine Staatsangehörigkeit fälschlicherweise mit „deutsch“ bezeichnet worden.

„Jaja, die übliche Tour de Farce“, so die Richterin sinngemäß.

Akteneinsicht habe er aber auch nicht gehabt, beschwerte sich Uwe.

„Wie denn auch, ohne Antrag?“, fragte sinngemäß die Richterin. Genau. Sie ist schließlich Richterin, keine Hellseherin bei „Astro TV“.

Aber das mit der Akteneinsicht ist natürlich auch wichtig und richtig. Wie soll sich der arme Uwe, dem diesmal kein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt war (hat sich das mit der Halbklatsche also wieder erledigt?) denn verteidigen, wenn er den Akteninhalt nicht kennt?

Es wurde trotzdem erst mal in die Beweisaufnahme eingetreten. Das tat ganz schön weh. Nicht der Beweisaufnahme, aber manchem Zuhörer, der sich angesichts der haarsträubenden Unwissenheit der aussagenden Polizisten die ohnehin spärlichen Haare raufte – zumindest innerlich.

Fassen wir die Beweisaufnahme kurz zusammen:
Da erging irgendwann ein Durchsuchungsbeschluss gegen Uwe wegen des Verdachts der Geldfälschung. Es war so um den Juli 2003, als es zur Durchsuchung in Uwes kameraüberwachter Wohnung kam. Etliches wurde sichergestellt. Computer, zahlreiche Festplatten, CDs, Disketten. Sogar Tastaturen und Monitore. Die bilden schließlich eine Einheit. Vergessen wurden aber die Drucker. Schon dumm. Damit hätten vielleicht falsche Geldscheine ausgedruckt werden können. Ist aber letztlich egal, weil die fleißigen Polizistinnen und Polizisten - wie es der Zufall will - bei den beschlagnahmten Sachen so um die 64 Bilder und 2 Videos mit etwas fanden, das sie für Kinderpornografie hielten. Und die Staatsanwaltschaft offensichtlich auch, sonst wäre es nicht zu einer Anklage gekommen...
Zufallsfunde können nach § 108 StPO verwendet werden, auch wenn es ursprünglich um etwas ganz Anderes gegangen sei, belehrte die Richterin den schmollenden Uwe. Außerdem gab es Anzeichen für Urheberrechtsverletzungen, weil CDs mit Spielen und Software gefunden wurden, welche keine Originale waren. Urheberrechts-Kottan ermittelt(e).

Also: keine Anzeichen für Geldfälschung, aber für Kinderpornos?
Hierzu wurden die diversen Polizisten und Polizistinnen als Zeugen befragt, die teilweise bei der Durchsuchung dabei waren, teilweise die Daten ausgewertet hatten. Fest stand, dass etwas gefunden wurde, das die ermittelnden Behörden für Kinderpornos hielten. Die Frage war nur, ob diese Dateien bereits Gegenstand des ersten, bereits abgeschlossenen Verfahrens waren. Die Richterin kam ohne Hinzuziehung der entsprechenden Akte nicht weiter.

Also ging’s mit der zweiten Anklage wegen Volksverhetzung weiter.
Der blasse Uwe berief sich darauf, doch nur aus einer „Dissertation“ zitiert zu haben. Der Autor war wegen Volksverhetzung anzeigt, aber das Verfahren sei eingestellt worden, weil wissenschaftliche Arbeit nicht strafbar sei.

Hierzu wurde nun nur noch ein einziger Zeuge gefragt. Ein Diplom-Pädagoge. Der hätte den Uwe ja mal erzieherisch wertvoll übers Knie legen können. Aber wahrscheinlich verbot ihm das der Respekt vor der Justiz.
Meyer habe in seinem wissenschaftlich zweifelhaften Aufsatz "nur" die Zahlen der Opfer von Auschwitz halbiert. Wenn Uwe behaupte, Meyer habe die Zahlen der Opfer des Holocaust um das Zwölffache auf 500.000 herunterfantasiert, sei dies falsch. Uwes Äußerung daher volksverhetzend.

Danach, es ging bereits auf 13 Uhr zu, Hungergefühle machten sich bei den Anwesenden breit, kam man wieder zurück auf die alten Probleme: Akteneinsicht und Doppelverfolgung. Die Richterin entschied, die Verhandlung zu unterbrechen. Am 22. Juli 2005 (Freitag) soll es weitergehen. Um 9 Uhr. Der Saal ... „steht dann unten dran“. Also der Verhandlungssaal. Nicht die Flugscheibe Christian.

Uwe gefiel nicht, dass er die Akteneinsicht nur im Gericht nehmen darf und Kopien selbst bezahlen muss.
„Das kann ich nicht bezahlen“, so sein Einwand.

Da werden unter Umständen demnächst noch ein paar Scherzartikel-Ausweise verkauft werden müssen.

Soweit mein Bericht aus dem Justizpalast zu Magdeburg, der wirklich immer wieder eine Reise wert ist. Die Kantine ist übrigens besonders empfehlenswert.


Da die Schwiegermutter unseres rasenden Reporters am 22. Juli ihren 75. Geburtstag feiert, wird Harry Hirsch aller Voraussicht nach den Termin in Magdeburg dankbar wahrnehmen. Fortsetzung folgt.
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infonaut



Anmeldungsdatum: 12.09.2003
Beiträge: 162

BeitragVerfasst am: 15.07.2005, 10:20    Titel: Re: 7.7.05: Verhandlung gegen Uwe B. - Fortsetzung folgt Antworten mit Zitat

Dem Vorbild aller Investigativjournalisten, Harry Hirsch, ein Bravo:

Bravo. Ausrufezeichen

Harry Hirsch hat Folgendes geschrieben:
Fortsetzung folgt.


Eine in jeder Hinsicht erfreuliche Ankündigung. Sehr glücklich
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"Illegitimacy is something we should talk about in terms of not having."

George W. Bush
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Harry Hirsch



Anmeldungsdatum: 24.02.2004
Beiträge: 11
Wohnort: Der Gerichtssaal

BeitragVerfasst am: 23.07.2005, 19:07    Titel: Verhandlung gegen Uwe B.: Fortsetzung Antworten mit Zitat

Zitat:

Verhandlung gegen Uwe B.: Fortsetzung

Uwe B. zu Bewährungsstrafe verurteilt

Das Amtsgericht Magdeburg verurteilte den "Pressesprecher" der "Exilregierung", Uwe B., am 22. Juli 2005 wegen Besitzes kinderpornographischer Schriften und Volksverhetzung zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Monaten auf Bewährung

Ein Bericht von Harry Hirsch

Hier ist Harry Hirsch, der rasende Reporter. Nachfolgend ein neuer Bericht aus dem Justizpalast zu Magdeburg.

Sequels gelten in Hollywood als sichere Geldquelle. Man braucht eigentlich keine neuen Ideen. Hier und da gibt es einen Special Effect mehr, hier und da kämpft die üppig ausgestatte Hauptdarstellerin - bekleidet mit einem hautengen T-Shirt - im Regen einer amerikanischen Großstadt. Überraschungen? Fehlanzeige.
Ganz anders ist dies bei den Sequels, die von der Justiz des Landes Sachsen-Anhalts produziert und unter anderem vor dem Amtsgericht Magdeburg aufgeführt werden. Überraschungen gibt es dort haufenweise: Freisprüche, schuldunfähige Angeklagte, Verschwörungstheorien und - man mag es kaum glauben - Verurteilungen angeblich unantastbarer "Bürger des Deutschen Reiches".
Ein perfektes Beispiel für ein solches Sequel bot die gestrige Strafverhandlung gegen Uwe B. aus M. an der E. Es handelte sich dabei um die Fortsetzung der Verhandlung vom 7. Juli 2005 (siehe oben).

Den Plot des ersten Teils müssen wir an dieser Stelle sicherlich nicht wiederholen. Unser Hauptdarsteller (in der Rolle des Bösewichts wie immer perfekt, trotz seiner Blässe: Uwe B.) hatte bekanntermaßen Akteneinsicht gefordert. Das Gericht hatte ihm telefonisch mitgeteilt, daß er die Akteneinsicht im Gerichtsgebäude nehmen könne. Doch Uwe nahm dieses Angebot nicht wahr, er verzichtete auf sein Recht. Ja, er ging sogar noch weiter: "Das mit der Akteneinsicht war ja wohl ein Witz", stellte er fest. Angeblich habe man ihm nur 2 Stunden dafür gewährt, was nicht ausreichend für ihn sei. Die Richterin stellte daraufhin kühl fest: "Der Angeklagte erklärt, es sei ein Scherz, wenn er bei Gericht Akteneinsicht nehmen dürfe".
Aber Uwe wartete bereits mit einer neuen Verzögerungstaktik auf. Er hatte die Aussetzung des Verfahrens beantragt, weil sein Verteidiger am heutigen zweiten Verhandlungstag keine Zeit habe. Verteidiger? Im ersten Teil hatte er einen solchen noch nicht. Nach Ansicht des Gerichts und der Staatsanwaltschaft sei dieser hier auch nicht notwendig, da kein Fall der "notwendigen Verteidigung" vorläge und sich Uwe sehr wohl selbst verteidigen könne.
Der Antrag wurde daher abgelehnt.

Nun folgte der erste Höhepunkt dieser Fortsetzung. Die Richterin sah - bildlich gesprochen - in ihre Kugel und förderte erstaunliches Wissen über den Angeklagten zu Tage:
1995 war Uwe B. vom Amtsgericht Braunschweig wegen Diebstahls in 35 Fällen und Anstiftung zur Falschaussage in zwei Fällen zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. 1996 vom Landgericht Magdeburg wegen Diebstahls, Freiheitsberaubung in zwei Fällen, Körperverletzung, Erpressung, Nötigung und Anstiftung zur Falschaussage zu zwei Jahren auf Bewährung.
Körperverletzung? Erpressung? Nötigung?
Uwe B. empfahl sich hier ganz offensichtlich als der kommende Action-Anti-Held des Städtchens an der E.
Was ist aber zwingende Voraussetzung für alle Bösewichte? Nein, keine Albino-Katze auf dem Arm! Sie müssen über... besondere... Verstandeskräfte verfügen. Und siehe da, hier hat Uwe sich sicherheitshalber schonmal begutachten lassen: im August 2003 wurde ein Verfahren wegen Verleumdung aufgrund eines Gutachtens, das Uwe Schuldunfähigkeit attestierte, eingestellt.
Schließlich gab es noch ein Urteil des Landgerichtes Magdeburg vom 7.3.2005 wegen des Mißbrauchs von Amtsbezeichnungen und Bedrohung. Hier gab es für Action-Uwe eine Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 20 Euro.

Im Kino wäre nun die Spannung immer weiter gestiegen, die Zuschauer hätten lustvoll ihr Popcorn geknabbert (das gibt's bei der Justiz zum Glück nicht. Dieses ewige störende Rascheln!)
Auftritt Staatsanwalt!
Das Plädoyer.
Er sah die Anklage bestätigt.
Zwar seien auf dem beschlagnahmten Rechner des Angeklagten erneut einige der Bilder gefunden worden, die auch schon im ersten Verfahren gegen Uwe aufgetaucht seien. Eine Doppelverfolgung liege allerdings nicht vor. Vielmehr seien die Taten nacheinander verfolgt worden, es handele sich auch um andere Dateien.
Da Uwe seine volksverhetzenden Äußerungen eingeräumt hatte, stand für den Staatsanwalt auch fest, daß Uwe eine verharmlosende Beschreibung zum stattgefundenen Völkermord verbreitet habe. Ein Zitat habe entgegen Uwes Behauptung nicht vorgelegen, vielmehr habe es sich um eine Bewertung und Instrumentalisierung gehandelt.
Das Popcornknuspern wäre im Kinosaal nun lauter geworden. Denn jetzt sollte der Staatsanwalt zu der Frage kommen, welche Strafe er für den Angeklagten beantragt.
Uwe hätte wegen des ersten Kinderporno-Verfahrens eigentlich gewarnt sein müssen. Trotzdem seien danach erneut diverse Dateien kinderpornographischen Inhalt in großem Umfang, gefunden worden. Daher nach § 184 StGB alte Fassung:
Geldstrafe von 100 Tagessätzen.
Doch damit nicht genug. Gratis obendrauf gab der Staatsanwalt für die Volksverhetzung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung. Noch immer nicht genug? Also gut, hier haben Sie nicht 50 Stunden, nicht 100 Stunden, nicht 150 Stunden - nein!, 180 Stunden gemeinnützige Arbeit!
Und damit Uwe nicht zu viel Ablenkung von seinem Dienst für die Gemeinschaft hat, forderte der Staatsanwalt die Einziehung der beschlagnahmten Rechner, Flachbildschirme und Festplatten als Tatmittel.

Nun kam Uwes nächster Auftritt, denn der Angeklagte hat - auch vor der Magdeburger Justiz - das letzte Wort.
Ein erfahrener Marienhof*-Drehbuchautor hätte es nicht besser schreiben können: Uwe verfiel in eine Trotzreaktion. Nach dem Motto: keiner will mit mir spielen? Ihr seid doch alle blöd! erklärte er der Richterin, daß er sie und das ganze Gericht nicht anerkenne. Im selben Take jedoch sah und hörte man Uwe, wie er "Ich gehe sowieso in Berufung" sagte. Vor einem Gericht, das er nicht anerkennt? Gegen ein Urteil, das für ihn keine Rechtskraft hat? Zugegeben: eine Schwäche des Drehbuches.

Während die Richterin über dem Urteil brütete, kam es zu den obligatorischen Verschwörungstheorien, mit denen Uwe sicherlich seine Verurteilung vor seinen Fans verteidigen wird: es sei ja wohl klar, wie die Bilder auf seinen Rechner gekommen seien. Immer wieder neue Bilder kommen da... jaaa... die pösen, pösen Polizisten wollen dem Uwe einen reinwürgen, weil sie ihn ja sonst nicht zur Strecke bringen. Ah? Und wie war das 1995, 1996 und im März 2005?

Aus Hollywood-Blockbustern weiß man es: kurz vor dem absoluten, spannungsgeladenen Höhepunkt kommt eine solche Phase, in der der Hauptdarsteller ein wenig herumwitzelt, das Publikum abzulenken versucht. Doch dann kommt er unausweichlich: der große Knall.

Diesem Spannungsbogen folgte auch die Richterin: "Bitte erheben Sie sich!"
Jawohl, das Urteil sollte verkündet werden.

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Was glauben Sie? Hat sich Uwe B. bei der Urteilsverkündung erhoben?
Wenn Sie meinen: "Ja, er hat" rufen Sie bitte die Nummer 0190-12345678-9 an.
Wenn Sie meinen: "Nein! Niemals! Das würde Uwe nie tun!" rufen Sie bitte die Nummer 0190-12345678-10 an.
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Uwe blieb zunächst sitzen. So ist er eben. Daher hat er seinen Spitznamen: "Der Sitzenbleiber". Doch dann erwies er sich als Umfaller bzw. Aufsteher. Nachdem ihm die Richterin nämlich darauf hingewiesen hatte, daß sie durchaus auch anders könne...

Und dann... das Urteil:
die Richterin folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft, das heißt, Uwe wurde zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von 8 Monaten verurteilt, für 2 Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

"Leider" könne sie für den Besitz der Kinderpornos "nur" eine so geringe Strafe verhängen. Diese müsse sich nämlich noch nach altem Recht richten (inzwischen ist die Strafe für den Besitz von Kinderpornos erhöht worden). Nach der Durchsicht der Fotos käme man zu der Erkenntnis, daß hier Kinder in ihrer Gesundheit und ihrer Seele schwer verletzt worden seien, so die Richterin. Es sei unvorstellbar, wie sich erwachsene Menschen sowas gern anschauen können.

Damit wurde die Sitzung geschlossen.

Übrigens war Uwes Mutter auch wieder bei der Verhandlung.
Ohrenzeugen berichten, sie habe sich bei ihrem Sohn darüber beschwert, daß er seine Eltern dauernd anlüge...

Um 9:30 Uhr war alles vorbei.
Zunächst.

Denn weil die Justiz in Magdeburg weiß, wie man das Publikum bei Laune hält, wird es ein weiteres Sequel geben, eine weitere Fortsetzung. Uwe B. kündigte Berufung an. Man darf gespannt sein, welche Überraschungen das Landgericht den Zuschauern bieten wird.

Soweit mein Bericht aus dem Justizpalast zu Magdeburg.

* Marienhof is sponsored by: l'tur, BMW, Fruchtzwerge, Voltax, CocaCola u.a.
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Olli



Anmeldungsdatum: 13.06.2003
Beiträge: 1550
Wohnort: Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland

BeitragVerfasst am: 23.07.2005, 19:25    Titel: Antworten mit Zitat

Warum nur....

... geht mir dauernd der wunderbare Film von Billi Wilder "eins-zwei-drei" im Kopf herum?

Ach ja, deshalb:

Sitzen machen!

Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass der Reichslautsprecher Bradler die Bewährungszeit ohne neue Straftaten übersteht.

Olli
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Franz Kafka an Oskar Pollak, 1902
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infonaut



Anmeldungsdatum: 12.09.2003
Beiträge: 162

BeitragVerfasst am: 24.07.2005, 01:55    Titel: Re: Verhandlung gegen Uwe B.: Fortsetzung Antworten mit Zitat

Harry Hirsch hat Folgendes geschrieben:

Übrigens war Uwes Mutter auch wieder bei der Verhandlung.
Ohrenzeugen berichten, sie habe sich bei ihrem Sohn darüber beschwert, daß er seine Eltern dauernd anlüge...


Lachen

Da stand er nun, Uwe Bradler, 35-facher Dieb, Kinderpornographiebesitzer, Spassausweisdrucker und Volksverhetzer, und konnt`nicht anders.. Lachen

Das Aufbleiben hat sich gelohnt. Der neueste "Hirsch" konnte wieder in der Kategorie "Gerichtsreportagen" unangefochten alle Preise abräumen. Bravissimo. Sehr glücklich
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Eric Schilling



Anmeldungsdatum: 14.06.2003
Beiträge: 853

BeitragVerfasst am: 13.08.2005, 23:31    Titel: Antworten mit Zitat

Olli hat Folgendes geschrieben:
Es ist wohl kaum damit zu rechnen, dass der Reichslautsprecher Bradler die Bewährungszeit ohne neue Straftaten übersteht.


Nicht nur das Unterlassen neuer Straftaten, sondernauch das Einhalten der bestehenden Bewährungsauflagen dürfte für Uwe Brabler schwierig werden.

Zum einen soll er eine Geldbuße begleichen. Dazu müßte er aber besonders intensiv dem gewerblichen Betrug nachgehen und größere Mengen seiner "Personenausweise" verkaufen.

Zum anderen soll er gemeinnützige Arbeit verrichten. Das Arbeiten hat er aber bereits verlernt, denn seit ca. 5 Jahren lebt er von Arbeitslosengeld, so seine Einlassung.

Soweit mir bekannt ist, führt eine Verletzung der Bewährungsauflagen innerhalb dieser Zwei-Jahres-Frist zum WIderruf der Bewährung; die Freiheitsstrafe steht dann zur Vollstreckung an. Es kann also durchaus sein, daß das Brabbel in den nächsten zwei Jahren nochmal für ein Dreivierteljahr "einfährt" - und zwar ohne das vorherige Lösen einer "Reichsfahrkarte"... *g*


E. Schilling
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Olli



Anmeldungsdatum: 13.06.2003
Beiträge: 1550
Wohnort: Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland

BeitragVerfasst am: 14.08.2005, 07:47    Titel: Antworten mit Zitat

Der


Sozialer Dienst der Justiz Magdeburg
Gerhart-Hauptmann-Str. 56
39108 Magdeburg
Tel.: (03 91) 5 67 49 05
Fax: (03 91) 5 67 49 09
E-Mail: sozd.justiz.lsa-magdeburg@t-online.de


hat dem Gericht während der Bewährungszeit u.a. laufend Verstösse gegen Auflagen und Weisungen sowie neue Straftaten Bradlers mitzuteilen. Sofern dies dort bekannt geworden ist, versteht sich.
Und dafür kann man doch sorgen.

Olli
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