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Drei, Zwei, Eins... meins!

 
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Harry Hirsch



Anmeldungsdatum: 24.02.2004
Beiträge: 11
Wohnort: Der Gerichtssaal

BeitragVerfasst am: 04.03.2004, 22:53    Titel: Drei, Zwei, Eins... meins! Antworten mit Zitat

Drei, Zwei, Eins... meins

In der Zwangsversteigerungssache 34a K 077/2000 vor dem Amtsgericht Essen wurde heute kein Zuschlag erteilt. Bemerkenswert war lediglich der Auftritt der ehemaligen Steuerberaterin Walburga Therese H-E*.

Im Allgemeinen sind Zwangsversteigerungen für Unbeteiligte sicher nicht sonderlich interessant.
Die Beschreibung des heute vor dem AG Essen zur Versteigerung stehenden Objekts ließ auch nicht ahnen, dass es diesmal anders laufen könnte:

Zitat:

Objekt/Lage: Einfamilienhaus in Essen-Schuir, III. Ruschenfeld Nr. 3, An der Ziegelei Beschreibung: Laut Verkehrswertgutachten handelt es sich um ein eingeschossiges, voll unterkellertes, freistehendes Einfamilienwohnhaus (Baujahr: 1952) mit ausgebautem
Dachgeschoss und nicht unterkellertem Flachdachanbau (erstellt ca. 1988) sowie einer einseitig angebauten Flachdachgarage. Das Haus verfügt über eine Wohnfläche von ca. 167 qm.
Verkehrswert: 230.000,00 EUR
Grundbuch: Schuir Blatt 206


Wer jedoch aufmerksam durchs Internet surft, dem ist der Name der Schuldnerin Walburga Therese H-E sicherlich ein Begriff, zumindest als "Steuerberaterin" H. Diese Dame sieht sich als Kämpferin gegen das Recht, pardon, gegen das Unrecht, in Forum des Rechts der Bundesrepublik Deutschland. Denn wie Frau H, eine glühende Anhängerin des volksverhetzenden Norbert Steinbach vom BfeD, verbreitet: die Bundesrepublik Deutschland existiert nicht mehr. Sie spricht von einem "Pseudo-Staat BRD".
Gegen Frau H ist auch ein Strafverfahren anhängig. In diesem Zusammenhang äußerte sie vor kurzem, sie würde auf keinen Fall das Gerichtsgebäude in Essen betreten, da sie befürchte, in diesem Fall ihrer Freiheit beraubt zu werden.
Umso überraschter waren die aufmerksamen Besucher/innen des heutigen Termins, als der Rechtspfleger zu Beginn auch die Anwesenheit der Frau H feststellte.
Die ehemalige Steuerberaterin, welche modisch mindestens ebenso fehlgeleitet ist wie in ihren Ansichten über die Bundesrepublik, wurde übrigens auf Schritt und Tritt von einem Wachtmeister des Gerichts begleitet. Kein Wunder, hat sie doch eigentlich Hausverbot.

Es folgten ein paar Formalitäten. Unter anderem wurde darauf aufmerksam gemacht, dass eine Beschwerde und eine Erinnerung der Frau H zurückgewiesen worden seien, die Erinnerung erst gestern. Zwei weitere Hinweise sollten für das nachfolgende Geschehen von Bedeutung sein:

- der Hinweis, dass auf Verlangen eines Beteiligten (Bieters) eine Sicherheitsleistung durch einen neuen Bieter erbracht werden muss und zwar durch bestätigte Bundesbankschecks sowie Verrechnungsschecks oder in bar - und dies sofort

- der Hinweis, dass bei Nichterreichung von 50% (5/10) des Verkehrswertes der Zuschlag von Amts wegen und bei Nichterreichung von 70% (7/10) des Verkehrswertes der Zuschlag auf Antrag eines Berechtigten zu versagen ist

Schließlich begann die Bietzeit.
Eine halbe Stunde stand zur Verfügung, in der jeder Interessierte sein Gebot abgeben durfte.
Die nachfolgenden Minuten vergingen mit Warten. Wie bei eBay wollte jeder Bieter bis zur letzten Sekunde mit der Abgabe seines Gebotes warten. Die erwartete Langeweile.

Kurz vor Ablauf der Bietzeit machte schließlich einer der Anwesenden, ein Vertreter der Stadt Essen, ein Angebot: 20.000 EUR standen im Raum. Da er die Stadt Essen vertrat, brauchte er keine Sicherheitsleistung zu erbringen.

Nun begann der amüsante Teil des heutigen Zwangsversteigerungstermins. Frau H selbst wollte bieten.
Sie stand von den Zuschauerplätzen auf und ging nach vorne.
"Woher hat die denn das Geld?", fragten sich nicht nur die Anwesenden im Saal, sondern auch die Gläubiger. Der Herr von der Stadt Essen verlangte daher sofort Sicherheitsleistung. Und auch der Anwalt des Gläubigers (Herr E) verlangte gemäß § 68 Abs. 3 ZVG eine Sicherheit und zwar die sog. "erhöhte Sicherheitsleistung".
Das Ganze roch zudem stark nach Versteigerungsverhinderung.
Frau H, in juristischen Dingen wohl sehr bewandert, da sie zu den wenigen Eingeweihten zählt, die von der angeblichen Auflösung der Bundesrepublik wissen, wandte sich nun direkt an den "Herrn Richter" (der in Wirklichkeit Rechtspfleger ist). Dieser hatte nämlich seine Zweifel an der Finanzkraft der ehemaligen Steuerberaterin geäußert.
Sie würde das Geld beschaffen können, bat allerdings noch um etwas Zeit.
Dass dies generell nicht möglich ist, hatte der Rechtspfleger bei der Erörterung der Formalitäten bereits erklärt.
Was die Situation noch zusätzlich verzwickt machte, war die Tatsache, dass Frau H darauf bestand, ihr Gebot in DM zu begleichen, obwohl sie zunächst 25.000 EUR geboten hatte. Der EURO sei nämlich kein gültiges Zahlungsmittel, die DM schon, schließlich werde sie ja von der
Landeszentralbank angenommen.
Das anfängliche Erstaunen im Saal wich nun einem mitleidigen Lachen.
"Die D-Mark gibt es nicht mehr!", erklang es aus den hinteren Reihen.
Frau H ließ sich nicht von ihrer Linie abbringen. Ihre seltsamen Ansichten wurden vom Rechtspfleger geduldig zu Protokoll genommen, bevor dann beschlossen und verkündet wurde, dass das Gebot zurückgewiesen werde.
Dies wäre allerdings selbst zu DM-Zeiten geschehen: Frau H hatte weder das Geld in bar noch einen bestätigten Scheck über die notwendige Summe bei sich, konnte die erforderliche Sicherheitsleistung also nicht sofort erbringen.
Die ehemalige Steuerberaterin war sich in ihren Rechtskenntnissen nun nicht sonderlich sicher und legte vorsorglich "jedes zulässige Rechtsmittel" ein. Auch dies wurde vom Rechtspfleger zu Protokoll genommen.
Es gab ein weiteres Hin und Her zwischen Rechtspfleger und Frau H über die Geltung des EUROs. Der Vertreter der Stadt Essen fragte zwischendurch süffisant, ob Frau H denn auch ihre Brötchen noch in DM bezahlte. Ein weiterer Beschluss erging, Frau H kündigte wieder "jedes zulässige Rechtsmittel" an.

Schließlich versuchte Frau H per Handy Hilfe zu erhalten, und verkündete wenig später voller Stolz: "Sie müssen die D-Mark akzeptieren!".
Der Rechtspfleger musste gar nichts. Außer kurz lachen, was auch die Zuschauer taten.
Inzwischen teilweise jedoch nicht mehr amüsiert, sondern schockiert, da man erkannte, es hier offensichtlich mit einer Geistesgestörten zu tun zu haben.
Es wurde weiter diskutiert, der Rechtspfleger bat Frau H, das Handy abzuschalten, da es unhöflich sei, während des Verfahrens zu telefonieren.
"Sie wollen wohl keine Zeugen?", vermutete die ehemalige Steuerberaterin und streckte triumphierend ihr Handy in die Höhe, als sei es die Fackel der Wahrheit.
Der Rechtspfleger schüttelte lächelnd den Kopf, deutete in den Saal und sagte: "Zeugen habe ich hier doch genug."
Er erntete wieder zustimmendes Lachen und Kopfnicken.
Als sich Frau H weiter weigerte, das Handy auszuschalten, wurde der Rechtspfleger langsam etwas gereizt.
"Entweder, Sie schalten jetzt das Handy aus oder ich weise den Wachtmeister an, es Ihnen wegzunehmen."
Ob Frau H das Handy wirklich abschaltete, weiß nur sie selbst. Sie tat zumindest so.

Der Rechtspfleger äußerte zudem seine Verwunderung darüber, dass Frau H überhaupt zum Termin erschienen sei. Schließlich erkenne sie doch das Gericht nicht an. Falls Frau H hierauf etwas erwiderte, so ging dies in dem amüsierten Gemurmel der Zuschauer unter.

Irgendwann platzte übrigens dem Sohnemann der Frau H, der zwischenzeitlich - im todschicken Trainingsanzug - den Saal betreten hatte, der Kragen. Er hielt die Zwangsversteigerung für einen Willkürakt, wobei seine Wortwahl erheblich anders war.
Auf die Frage des Rechtspflegers, wer er denn sei, wollte der Sohn nicht so recht antworten. Bevor er aus dem Saal geworfen wurde, verließ er ihn lieber wutentbrannt freiwillig.

Um das Verfahren abzukürzen, griff nun der Vertreter der Stadt Essen ein. Er erhöhte sein Gebot so, dass es knapp unter der o.g. 50 %-Grenze lag und bot 114.000 EUR. Auch jetzt wollte Frau H wieder - Sicherheitsleistung in DM - überbieten, auch jetzt vergebens.

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten.
Es erfolgte kein weiteres Gebot.
Die Bieterei hatte ein Ende.
Doch der Zuschlag wurde letztlich versagt. Denn das Meistgebot von 114.000 EURO war zu gering.
Aus diesem Grunde wird es in einigen Monaten einen neuen Zwangsversteigerungstermin geben.
Bis dahin hat Frau H Zeit, ein paar DM zusammenzusammeln.

Es berichtete Harry Hirsch
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Olli



Anmeldungsdatum: 13.06.2003
Beiträge: 1551
Wohnort: Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland

BeitragVerfasst am: 04.03.2004, 23:08    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank Harry Hirsch,

wenn ich es recht verstanden habe, ging es vornehmlich um die materielle Auseinandersetzung einer schon vor langer Zeit gescheiterten Ehe, wobei die Stadtverwaltung auch noch einige Forderungen, vermutlich unbezahlte Kommunalabgaben, offen hatte.
Mit anderen Worten: eine Lachnummer. Wobei aus einem alltäglichen Vorgang ein Riesenpopanz gemacht wird.

Olli
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Dreirath



Anmeldungsdatum: 23.10.2003
Beiträge: 38

BeitragVerfasst am: 05.03.2004, 17:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
wenn ich es recht verstanden habe, ging es vornehmlich um die materielle Auseinandersetzung einer schon vor langer Zeit gescheiterten Ehe


Ich verfolge den "Fall" der "Reichssteuerberaterin" schon seit einiger Zeit und ich denke, dass man hier - so lustig ihre Einlassungen zur Sache auch sind - eigentlich Zeuge einer gerade stattfindenden Tragödie wird. Frau H ist schlichtweg durchgeknallt, wie man ja auch an ihrer Korrespondenz mit diversen Behörden sehen kann. Offenbar fing das ganze Elend mit ihrer Scheidung an. Möglicherweise wurde ihr dabei übel mitgespielt (ob das so war, weiß ich natürlich nicht), so daß sie im Laufe der Zeit den Überblick verlor. Und in einer verwirrenden, ausweglosen Situation, neigen viele Menschen dazu die Realität schlichtweg zu leugnen. Da kommt natürlich eine von Anderen an Sie herangetragene Wahnidee, wie "die BRD existiert nicht" wie gerufen.

Und das ist das eigentliche Übel an der ganzen Sache: Durch das Internet bekommen Bekloppte die Möglichkeit ihre bekloppten Ideen weiterzuverbreiten und andere Bekloppte damit zu infizieren. Auf diese Weise entsteht ein Paralleluniversum in dem sich die Irren immer wieder selber bestätigen, ein Kontakt nach außen findet jedoch nicht mehr statt. Aus der Psychologie ist bekannt, dass der Wahnhafte in seinem Wahn für die Außenwelt unerreichbar ist. Hier aber wird eine ganze Gruppe von Wahnsinnigen für die Außenwelt unerreichbar.

Doch das Schicksal von Frau H ist bereits vorgezeichnet: Sie wird über kurz oder lang in der Psychiatrie enden. Hätte man ihren Zustand schon früher erkannt, hätte man ihr vielleicht noch helfen können.

Gruß
dreirath
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Olli



Anmeldungsdatum: 13.06.2003
Beiträge: 1551
Wohnort: Berlin, Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland

BeitragVerfasst am: 06.03.2004, 17:15    Titel: Antworten mit Zitat

Nobbi Steinbach ist seiner Zeit mal wieder voraus und behauptet mit Datum vom 7. März 2004 in Bezug auf den Versteigerungstermin:

Small Brain hat Folgendes geschrieben:
NEU! Versteigerung des Hauses von Frau H wurde am 04.03.2004 nach Tumulten vorerst ausgesetzt, wie im Forum zu lesen ist!


Die Bahauptung, die peinlichen Auftritte der H und ihres Sohnes seinen kausal gewesen für die Zuschlagsversagung, ist so richtig nach Reichsknallerart.

Olli
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Franz Kafka an Oskar Pollak, 1902
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fbohlke



Anmeldungsdatum: 16.02.2004
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 09.03.2004, 09:17    Titel: Ablauf der Versteigerung Antworten mit Zitat

Hallo!

Vielen Dank für den interessanten Bericht.
Mal so eine Frage aus Interesse:
Wie läuft denn so eine Versteigerung ab? Heben die Bieter die Hand (wie im Fernsehen) oder sagen die Bieter einfach "Ich biete soundsoviel DM!" Zwinkern ?

Und gibt es da Mindestschritte, in denen geboten wird?

Neugierig,
Friedrich
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Frank Schmidt



Anmeldungsdatum: 13.06.2003
Beiträge: 1595

BeitragVerfasst am: 09.03.2004, 11:33    Titel: Re: Ablauf der Versteigerung Antworten mit Zitat

fbohlke hat Folgendes geschrieben:
Hallo!

Vielen Dank für den interessanten Bericht.
Mal so eine Frage aus Interesse:
Wie läuft denn so eine Versteigerung ab? Heben die Bieter die Hand (wie im Fernsehen) oder sagen die Bieter einfach "Ich biete soundsoviel DM!" Zwinkern ?

Und gibt es da Mindestschritte, in denen geboten wird?

Neugierig,
Friedrich


Ich habe mich mal ein wenig im Weltnetz umgesehen.
Hier
http://www.justiz.nrw.de/BS/Gerichte/Zivilgericht/Einzelverfahren/Zwangsversteigerung/Zwangsversteigerung.html
http://www.thueringen.de/olg/zvhinweise.html
http://www.immopilot.de/Bauherren/Zwangsversteigerung/hauptteil_zwangsversteigerung.html
http://www.justiz-augsburg.de/ag/zwanghinw.htm
gibt es allgemeine Informationen zum Ablauf einer Zwangsversteigerung.

Da steht aber leider nichts von Mindestschritten und Handzeichen.

Hier
http://onwirtschaft.t-online.de/c/06/81/29/681290.html
wird der Ablauf einer Zwangsversteigerung anhand eines konkreten Falles geschildert; außerdem gibt es auf den weiteren Seiten noch mehr Informationen. Dort ist nichts von Handzeichen zu lesen; die Bieter stehen einfach auf und gehen zum Richtertisch (zumindest beim ersten Gebot, bei dem man sich ja ausweisen muß und eventuell eine Sicherheit zu hinterlegen hat). Der niedrigste Bietschritt ist dort 50 EUR.

Mit hinweisenden Grüßen

Frank Schmidt
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fbohlke



Anmeldungsdatum: 16.02.2004
Beiträge: 8

BeitragVerfasst am: 09.03.2004, 12:07    Titel: Danke Antworten mit Zitat

Hallo!

Vielen Dank für den unteren Link - war sehr aufschlussreich.

Viele Grüße,
Friedrich
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